Ironman Weltmeisterschaft Hawaii 2007



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2,4M swim - 112M bike - 26,2M run
3,9km swim - 180,2km bike - 42,2km run

Totaltime: 11:16:08
Gesamtrang: 136.
AK W35: 20. Rang!
3. Beste Österreicherin

Splitzeiten
3,9km swim: 1:11:49 (ohne Neopren)
180,2km bike: 6:12:50
42,2km run: 3:43:59




Hawaii, die Insel am anderen Ende der Welt hat mich verzaubert und hat mich berührt wie noch kein anderes Land bisher. Mein Traum von der Ironman WM auf Hawaii endete gestern hier in Kailua Kona, denn mein Traum erfüllte sich und wurde wahr!

Ich bin Finisher auf Hawaii und das noch dazu in einer für mich fantastischen Zeit von 11:16:08!
...unbelievable… congratulation … das waren die Worte, die ich heute, den ganzen Tag zu hören bekam… Ja, es war wirklich unglaublich, die Stimmung und der Spirit der Hawaiianer und die Freude mit mir, über mein erfolgreiches Finish… einfach unglaublich!
Fremde Leute auf der Strasse, im Restaurant, im Hotel ich wurde überall angesprochen und mir wurde herzlichst gratuliert. Ein unbeschreibliches Gefühl, gepaart mit leichter Verwunderung… aber für den Hawaiianer ist jeder Finisher ein Sieger!

Aber nun zum Rennverlauf… nach einer schlaflosen Nacht, war ich wie gerädert und fühlte mich nicht gerade danach in einigen Stunden einen Ironman zu starten. Ich war übernervös, einfach fürchterlich, aber ich wusste auch, wenn ich mal im Wasser bin, ist meine Nervosität weg und so war es dann auch… Das Schwimmen, speziell am Anfang, war wieder mal eher ein Kampf, aber lange nicht so schlimm wie in Klagenfurt. Über meine Schwimmzeit von 1:11 (trotz Krämpfen im Wasser) war ich selbst ziemlich positiv überrascht und hab mir gedacht, naja, das fängt ja schon mal gut an.

In der Wechselzone fühlst du dich dann wie ein kleiner König… am Vortag hab ich mir natürlich wie ich es von Klagenfurt kenne, die Wege und die Plätze meiner Wechselsäcke so gut als möglich eingeprägt, um ja nicht am Raceday zu viel Zeit mit suchen zu verschwenden, aber das ist hier gar nicht nötig, denn die unzähligen Volunteers leiten dich in die richtige Bahn und dort steht schon einer, der dir deinen Wechselsack in die Hand drückt. Das ist ein Service, einfach perfekt! Das erste kleine Hoppala ist mir dann schon in der Wechselzone passiert, ist fast ein bisserl peinlich, naja, aber in der Hitze des Gefechts… ich hatte vergessen meinen Schwimmanzug auszuziehen und hatte aber die Radschuhe schon an… aber die Volunteers machten kurzen Prozess und der Schwimmanzug war gleich über die Radschuhe ausgezogen und so konnte ich doch noch mit einer guten Wechselzeit meinen langen Weg beginnen.

Beim Rausfahren auf die Radstrecke war eine tolle Stimmung und ich hatte so richtig Lust auf MEINEN Ironman auf Hawaii, von der Müdigkeit der schlaflosen Nacht war nichts mehr zu spüren… doch die Ernüchterung kam gleich mal bei der ersten kurzen Schleife am Kuakini Highway, da geht´s wirklich nur leicht bergauf und irgendwie hatte ich das Gefühl schwerer, leerer Beine… und das am Beginn des Rennens… na super!

Ich fühlte mich am Rad nicht so stark wie gewohnt und tat mir wirklich sehr schwer, teilweise musste ich mich extrem quälen (aber ohne dem geht´s wohl sowieso nicht). Die Sonne wurde immer wärmer und ich ahnte schon, das wird ein langer Tag heute. Die einsamen Lavafelder wurden teilweise unterbrochen von einer handvoll Leute, die auf der Strecke ausharrten um uns anzufeuern. Das war eine willkommene Abwechslung und tat wirklich gut. So nach ca 2 Stunden begann dann der Anstieg nach Hawi und ich befürchtete, dass der heute besonders schwer werden würde. Meine Beine waren leider noch immer nicht so richtig bei der Sache und der Anstieg ist doch ziemlich lange. Irgendwo am Weg nach oben, war ich dann wahrscheinlich etwas unkonzentriert, ich war der Meinung, dass ich noch eine Flasche Elektrolyt am Rad hatte und dachte mir, ja das geht sich schon aus bis zur nächsten Labe und fuhr an dieser ohne etwas aufzunehmen vorbei, der Schreck war gross als ich nach kurzer Zeit bemerkte, dass ich keine Flasche mehr am Rad hatte. Somit hatte ich nix zu trinken und das war bei dieser mittlerweile sengenden Hitze nicht gerade von Vorteil… Ich musste viele Kilometer ohne Flüssigkeit zurücklegen und war schon leicht verzweifelt wusste ich doch, dass mich dieser Fehler vielleicht mein Finish kosten könnte und Labe war auch weit und breit keine in Sicht. Aber dann kam die Rettung in Form der Rettung… ;) Ein Medicalcar fuhr an mir vorbei, die hab ich dann angehalten und um Wasser gebeten und die hatten "Gott sei Dank" welches dabei. Der Wind nach Hawi war zum Glück bei weitem nicht so schlimm wie bei meinem Höllenritt meiner Trainingsfahrt, schon sehr böig aber trotzdem dezent gegen das letzte Mal. Die letzten 60 Kilometer zurück nach Kailua Kona waren sehr mühsam, konstanter Gegenwind machte die Sache nicht gerade angenehm. Da fragt man sich dann schon mal was man da eigentlich tut? Ganz allein in der Lavawüste auf Hawaii! Als ich endlich wieder zurück nach Kailua Kona kam, war ich super glücklich als ich Hermann an der verabredeten Stelle wild gestikulierend und lautstark schreiend an der Seite sah...

Beim zweiten Wechsel wieder das gleiche Spiel in der Wechselzone, alle sind perfekt organisiert, am Ende des Gangs wo jeder durch muss, steht ein Helfer mit einem Megafon und brüllt deine Nummer an die nächsten Helfer weiter und du wirst automatisch in den richtigen Gang gelotst und da steht schon ein weiterer Volunteer, der dir deinen Wechselsack reicht, wirklich beeindruckend diese Organisation und vor allem die Vielzahl der Helfer…

Im Wechselzelt geht dann auch voll die Post ab, eigentlich dachte ich mir, ich müsste mich kurz erholen und ein bisserl rasten, aber dazu blieb keine Zeit. Ein Helfer hat die Schuhe ausgepackt und mir angezogen, ein zweiter hat mir zur selben Zeit eiskalte nasse Handtücher auf Nacken, Oberschenkel und Oberarme zum Kühlen gelegt und bevor ich überhaupt noch über eine kleine Rast so richtig nachdenken konnte war ich schon wieder auf der Laufstrecke, natürlich vorsorglich von einem dritten Helfer gut eingecremt. Ich war so überrumpelt und überrascht und spürte plötzlich, das wird noch ein guter Tag für mich.

Nur noch 42,2 km oder 26,2 Meilen und mein Traum vom Zieleinlauf wird Wirklichkeit. Nicht mehr lange und ich darf die selbst genähte Fahne meiner Schwester Heidi aus Hermanns Hand übernehmen und meinen Traum vom Zieleinlauf auf Hawaii Wirklichkeit werden lassen.

Aber wie gesagt zwischen Traum und Wirklichkeit liegen noch 42,2km die verdammt lange sein können, vor allem wenn man zu Fuss unterwegs ist. ;)

Auf der Laufstrecke kommt zu Beginn der angenehme Teil, wahrscheinlich deshalb, dass der Schock nicht gleich so gross ist, darfst du sozusagen eine kleine Ehrenrunde von ca 14 km im Ort drehen… Der angenehme Teil ist trotzdem ziemlich hügelig, ich glaube mich daran zu erinnern, dass ich auf dieser Strecke kein einziges gerades Stück befahren oder belaufen hab, es geht entweder rauf oder runter, total verrückt dieses Streckenprofil…

Zu Beginn der Laufstrecke hatte ich sehr schwere Beine und wieder oder besser gesagt noch immer diese unbeschreibliche Leere in mir. Aber von Meter zu Meter spürte ich, da geht noch was, das Gefühl wurde immer besser und ich kam so richtig in Tritt, ein cooles Gefühl. Die Schlaufe am Alii Drive konnte ich so richtig geniessen und freute mich über die Zurufe der Zuschauer, die sehr zahlreich am Strassenrand standen und uns lautstark anfeuerten und uns mit kühlen Duschen versorgten. Eine Wohltat bei der Hitze die mittlerweile unbarmherzig brannte.

Ich saugte förmlich die Begeisterung der Zuschauer in mir auf als wollte ich sie konservieren für den langen Weg zum Energie Lab, wo ich wusste, dort bist du allein mit dir, der Hitze, dem geschunden Körper und vor allem deinen Gedanken. Darum wurde jeder Zuruf wie ...good pace, ...good job, ...you looks good... abgespeichert wie auf einer Festplatte um dieses Gefühl wieder abrufen zu können und es hat tatsächlich funktioniert.

Der Weg war zwar noch immer der Gleiche, aber das Gefühl war grossartig, abgesehen davon, dass ich pausenlos nur überholte und überholte was natürlich ein super geiles Gefühl ist, wenn du weißt es geht gut, du bist gut drauf und das Ziel rückt mit jedem Schritt näher, trotz der schmerzenden Blasen die sich jetzt schön langsam bemerkbar machten. Ca 28 km dauert meine sogenannte 2. Schleife. Angefangen vom sehr steilen einigen 100m langen Anstieg der Palani Road, wo noch die letzten Zuschauer entlang der Strecke stehen und dann geht´s hinaus in die Lavafelder zum berühmt berüchtigten Energie Lab, wo schon an normalen Tagen die Hitze förmlich steht und ich spürte es deutlich, heute ist es besonders heiss… echte Hawaii Bedingungen eben, die ich mir tags zuvor noch gewünscht hatte. Wenn schon Hawaii, dann aber ordentlich! Die langgezogenen Steigungen tun schon richtig weh und die anschliessenden langgezogenen Gefälle sind auch nicht viel angenehmer für die strapazierten Kniegelenke. Aber ich hab gewusst jeder Schritt bringt mich meinem Ziel näher. Step by Step erinnerte ich mich an ein Plakat am Ende der Palani Road, für eine mir Unbekannte, ich glaube sie hiess Betty…

Die letzten Kilometer ins Ziel wurden dann noch ein Wettlauf mit der Sonne, ich wusste das wird ein toller Laufsplit und die Krönung meiner Leistung wäre noch ein Daylightfinish. Dazu brauchte ich eine Zeit unter 11:20…

Beim letzten harten Anstieg so ca 2km vor dem Ziel waren sie wieder da, die Zuschauer und es war ein berauschendes Gefühl die Freude und die Begeisterung wieder aufzunehmen, unbeschreiblich, das Ziel war so nah und ich war so froh es geschafft zu haben und doch könnte dieser Moment jetzt ewig dauern…

Hermann wartete schon am Ende der Palani Road mit meiner Fahne und den letzten Kilometer ins Ziel wurde ich getragen von der Begeisterung der tausenden Zuschauer. Unbeschreiblich war das Gefühl… wie wahrscheinlich jeder Zieleinlauf nach einem Ironman, aber dieser Moment war für mich ein ganz besonderer, war doch mein Traum nun zu Ende und wurde wahr. Aber wahrscheinlich werde ich noch einige Tage brauchen um das zu realisieren was hier auf dieser Insel am anderen Ende der Welt geschehen ist. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich hier auf Hawaii dabei sein durfte!

Vielen Dank an meinen Trainer Marcel, der mich fantastisch auf diesen Wettkampf vorbereitet hat und auch eine schlaflose Nacht hatte… ;) Danke, dass du bei mir warst!

Und natürlich an Hermann, der mich immer tatkräftig unterstützt und immer für mich da ist!


Aloha aus Hawaii eure überglückliche DoKo


















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