Ironman 70.3 Weltmeisterschaft Clearwater/Florida 2007



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Ironman 70.3 WM Clearwater/ Florida

Finishtime: 4:51:32
Gesamtrang: 99.
AK W35: 22. Rang
2. Beste Österreicherin

Splitzeiten
1,9km swim: 0:36:26 (mit Neopren)
90km bike: 2:23:27
21,1km run: 1:45:14


Mit vielen wechselnden Gefühlen habe ich die Zeit hier in Clearwater bei der Ironman 70.3 WM erlebt. War es einerseits der immer wiederkehrende Vergleich mit Hawaii, bei dem Clearwater leider in keinster Weise bestehen kann und andererseits mein nicht optimaler Gesundheitszustand, der mich daran zweifeln liess, hier noch ein gutes Rennen zu erleben.

So begann auch das Rennen am Samstag früh mit gemischten Gefühlen und sehr vielen Zweifeln. In den letzten zwei Wochen mussten wir immer wieder das Training verändern, reduzieren und ganz ausfallen lassen um mich zu schonen, damit ich überhaupt an den Start gehen kann und nun sollte ich auf den Punkt volle Leistung bringen. Ich war noch nie so unsicher vor einem Start wie diesmal… Das Wetter war gut, aber ziemlich kühl in der Früh (15°) das Meer war angenehm ruhig gegen die Tage zuvor und mit 19° wärmer als die Luft, die sich tagsüber auf angenehme 25° erwärmte und der Wind war kaum spürbar, zumindest jetzt noch nicht. Die Vorraussetzungen waren gut und einem guten Rennen stand absolut nix im Weg, ausser meiner momentanen körperlichen Verfassung.

Durch den Wellenstart erst um 7:50 ins Wasser gelassen, hatte es zwar den Vorteil, dass die ersten Sonnenstrahlen bereits etwas wärmend vom Himmel schienen, jedoch wie sich etwas später herausstellen sollte, auch einen ganz fatalen Nachteil. Die ersten paar hundert Meter waren sehr ungewohnt für mich, da ich vorher noch nie mit Neopren im Meer geschwommen bin, geschmacklich... ;) war der Golf von Mexico auch etwas gewöhnungsbedürftig, ich würde sagen, genauso wie er aussieht so schmeckt er auch, getoppt nur noch vom Benzingeschmack der anwesenden Boote und Jetski´s!
Kurz vor der Wende passierte mir dann noch ein selten dummer Fehler. Ich habe mich an der falschen zweiten orangen Boje orientiert und musste so einen Umweg schwimmen der mir einige Minuten Zeit kostete. Nach der Wende zeigte sich dann die Ungleichheit eines Wellenstarts. Wir hatten die aufgehende Sonne genau vor uns und konnten weder Bojen noch das Ufer erkennen. So war es ein absoluter Blindflug Richtung Schwimmausstieg.

Zurück am Strand war es ein ziemlicher weiter Weg über den breiten, in der Sonne glitzernden, makellosen schneeweisen Sand in die Wechselzone. Dann gleich der nächste Schock, die Wechselzone war bis auf wenige Räder leer und fast alle blauen Bikesäcke waren natürlich weg… Man glaubt es kaum, aber obwohl ich wusste, dass die anderen ja um bis zu 50 min vorher gestartet waren, war es trotzdem deprimierend und für meine Motivation nicht gerade förderlich, die fast leere Wechselzone zu sehen. Na ja was soll´s bescheidene Schwimmzeit, aber mehr war eben nicht drinn heute… also dann eben am Rad aufholen und die vor mir gestarteten einsammeln… das hat dann recht gut geklappt… meine Beine waren unerwartet kraftvoll und ich konnte wahnsinnig gut Druck machen, die Wattleistung war konstant hoch, fast unglaublich… (vielleicht sollte ich öfters pausieren) und das liess mich hoffen, aber auch gleichzeitig fürchten, dass die vorhandene Kraft nicht bis zum Schluss reicht, oder ich beim abschliessenden Halbmarathon schwer dafür büssen muss.

Die Radstrecke hier in Clearwater ist absolut flach und ohne nennenswerte Höhepunkte, ausser, dass mir trotz des Wellenstarts die „Packln“ nur so entgegen gekommen sind… ein sehr faires Rennen… ;( und so was bei einer WM, einfach nicht zum Glauben!

Auf den letzten Radkilometern fährt man dann am Gulf to Bay entlang der Laufstrecke, wo sich schon hunderte Läufer tummeln um das Rennen zu finishen und man selbst sitzt noch auf dem Rad, wirklich mühsam für den Kopf, zumindest für meinen. Man hat einfach keinen Vergleich und deshalb finde ich einen Wellenstart absolut unfair in jeder Hinsicht. Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht bei anderen Rennen z.b. in Klagenfurt durchsetzen wird…

Nichtsdestotrotz die Laufstrecke wartete. Gesundheitlich angeschlagen mit einer Ohren- und Halsentzündung war es am Rad noch einigermassen erträglich, aber beim Laufen, war jeder Schritt als würde mir ein hunderter Nagel quer durch den Kopf geschossen… es war fast nicht zum Aushalten. Im gleichen Augenblick sah ich auf einer grossen Tafel die 1, für die erste zurückgelegte Meile. (1,6 km) Es war zum Verrückt werden, wie sollte ich das heute schaffen… noch 12.1 Meilen mit vier langgezogenen Steigungen die am Rad zwar harmlos sind aber beim Laufen sehr hart werden können. Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht, ich wusste nur, ich muss jetzt diese eine Schleife fertiglaufen und dann noch eine zweite und dann erwartet mich endlich der Zieleinlauf… das Rennen erschien mir endlos.

Immer wieder waren entlang der Laufstrecke bei den schmucken Bungalows Leute die ihr Bestes gaben um uns anzufeuern, aber leider konnte ich es diesmal gar nicht mehr richtig aufnehmen, ich lief wie in Trance und wollte nur mehr aufhören, die Schmerzen in den Ohren wurden immer schlimmer, das Atmen fiel mir schwer, mein Hals schmerzte und ich hoffte nur, dass dieses Rennen doch nun endlich vorbei ist. So verging Meile um Meile...

Der Zieleinlauf war dann wenig spektakulär und auch ziemlich emotionslos meinerseits, ich war einfach nur froh, dass dieses Rennen nun in dieser Sekunde für mich beendet war.

Abschliessend muss ich sagen, ich bin mir nicht sicher, ob ich, wenn ich noch einmal in diese Situation komme, mich wieder für einen Start entscheiden würde… heute glaube ich nicht. Trotzdem bin ich froh und glücklich es geschafft zu haben, in einer guten Zeit mit einem tollen Ergebnis und das diese sensationelle Saison mit diesem Rennen einen würdigen Abschluss gefunden hat.

Dieses ausgezeichnete Jahr hab ich einzig und allein meinem Coach Marcel zu verdanken, der für mich das Maximum aus mir herausgeholt hat. Oft ist er ziemlich streng und lässt auch nicht mit sich verhandeln… speziell was die Trainingspausen betrifft… ;) Aber so wie´s ausschaut macht er einen guten Job und ich freu mich schon wahnsinnig auf die Zusammenarbeit mit ihm in der nächsten Saison.

Vielen Dank an alle die an mich geglaubt haben und die mich immer wieder mit netten Mails, Gästebucheinträgen und natürlich auch persönlich unterstützt haben.

Viele liebe Grüsse aus Clearwater/Florida von einer etwas verbesserungswürdigen WM!