Ironman 70.3 Monaco 2008



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Finishtime: 5:31:24
Die Qualifikation für die WM in Clearwater habe ich aufgrund meines Starts in Panama City nicht angenommen
AK W35: 3. Rang
Gesamtrang: 29. (Beste Österreicherin)


Splitzeiten:
1,9km swim: 0:36:49 (mit Neopren)
90km bike: 3:04:21
21,1km run: 1:40:56



Als am Sonntagmorgen der Wecker um 4:47 läutete traute ich meinen Ohren kaum, nein nicht die unchristliche Weckzeit liess mich erschaudern, sondern die Tatsache, dass es regnete… das absolute Horrorszenario war eingetroffen… Regen auf DIESER Radstrecke!

Naja… hilft ja nix, dachte ich mir, ist für alle gleich und ändern kann ich es auch nicht! Die übliche Prozedur vor dem Rennstart konnte also beginnen. Kleines Frühstück, Chip befestigen, Getränke mixen, Vaseline für empfindliche Stellen auftragen (ganz wichtig) und und und… anschliessend auf zum Startbereich.

Im Bikepark war schon eine Menge los, letzter Check vor dem Start… dann ging´s ab zum Strand wo ich mir noch mal die erst in den Morgenstunden gesetzten Bojen anschauen wollte… eh klar, dass die wieder nicht dort waren wie vom Veranstalter überall beschrieben. Wir mussten vom Strand aus rechts an der Kaimauer vorbei und dann schräg links nach draussen schwimmen, was natürlich die Sache nicht gerade einfach machte, weil 1200 Athleten praktisch durch ein Nadelöhr mussten und die starken Wellen taten ihr übriges…

Der Startschuss fiel und die erwartende Schlägerei im Wasser begann mit der ersten Sekunde. Es war fürchterlich, der schlimmste Schwimmstart den ich je erlebt habe… an schwimmen war die ersten paar hundert Meter nicht zu denken, es war ein reiner Kampf um´s Überleben… die erste Boje konnte ich nur vermuten da sie durch die hohen Wellen nicht zu sehen war… Naja nichtsdestotrotz, das Schwimmen musste natürlich auch erledigt werden, aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich jedes Mal, wenn ich mitten in der Meute kämpfe, kurz darüber nachdenke ob nicht ein Wechsel zum Duathlon für mich besser wäre…

Der Wechsel an sich hat eigentlich recht gut funktioniert. Der Weg durch die Wechselzone bis zum Bikestart war ein sehr langer, aber jetzt konnte es endlich losgehen… Der Regen hatte mittlerweile aufgehört, aber die Strassen waren nass und rutschig, also äusserste Vorsicht war geboten! Von der ersten Sekunde an spürte ich, dass meine Beine verdammt gut waren und ich wusste das wird ein super Tag!!! Ein tolles Gefühl! Die Abfahrten waren mörderisch, die Strassen waren extrem rutschig, teilweise schon aufgetrocknet und dann wieder nass, aber ich riskierte, ich wollte unbedingt eine ansprechende Radzeit… Die Tatsache, dass mich bergab absolut niemand überholt hatte, zauberte mir ein verschmitztes Lächeln auf meine Lippen, hatte aber auch zur Folge, dass ich von einer brenzligen Situation in die andere `rutschte`, aber nach dem Motto `no risk – no fun` fuhr ich auf Teufel komm raus! Mit meiner Radzeit war ich auch aufgrund der erschwerten Strassenbedingungen sehr zufrieden und hab mich damit in meiner Agegroup vom 8. Platz nach dem Schwimmen auf den 4. Platz vorgearbeitet!

Der krönende Abschluss war natürlich der Halbmarathon der es auch noch in sich hatte.
Mit seinen vielen unangenehmen Steigungen, die nach der Radstrecke noch mal so richtig weh taten. Aber meine Beine waren gut! So spulte ich Runde um Runde ab und war jedes Mal froh, wenn ich den Anstieg zum Casino hinter mich gebracht hatte. Dort war aber auch die beste Stimmung, denn dort haben alle am meisten gelitten… und dort hörte man auch die unverschämtesten Lügen wie… `gut schaust aus` und `super Tempo`…
Nein, Spass beiseite… natürlich ist man froh und glücklich über jeden Anfeuerungszuruf und beisst noch mal so richtig rein!

Die vier ganzen Runden hatte ich erledigt und es fehlte noch eine halbe Runde bis ich endlich ins Ziel und nicht daran vorbeilaufen durfte… der Zielkanal war nämlich genau neben der Laufstrecke nach dem harten Anstieg zum Casino und wir musste vier Mal direkt daran vorbeilaufen… echt gemein!

Naja, also ich war in meiner letzten halben Runde so ca 1 km vorm Ziel entlang des Hafens… heute hatte ich überhaupt keinen Blick für die gigantischen Yachten… da erblickte ich kurz vor mir eine Athletin, die auch schon 4 Bändchen am Armgelenk trug. Das hiess, sie war auch auf ihrer letzten Runde und ich wusste nicht ob sie in meiner Agegroup war oder nicht. Aber das war auch egal - es war eine Frau und die musste noch überholt werden, aber das war natürlich nicht so einfach wie gedacht! Als ich zu ihr aufgeschlossen hatte, bemerkte sie mich und der Kampf konnte beginnen… Vor uns lag noch eine kleine Gerade, dann der Casinoberg mit ca 300 und der Zieleinlauf mit ca 70 Meter. Ich überholte sie und sie heftete sich an meine Fersen. Ich konnte ihren Atem spüren und dachte mir, nein nicht schon wieder so ein Kampf wie in St. Pölten letztes Jahr… Aber es half nix, sie war sehr hartnäckig. Kurz überlegte ich meine Taktik für den Zieleinlauf, aber eigentlich gab es eh nur mehr eines und das hiess Vollgas! Bis zum Ende des Casinoanstieges war sie dicht hinter mir und liess nicht locker dann konnte ich schon den roten Teppich des Zielkanals erkennen, jetzt hiess es die letzten Körner mobilisieren… und das nach diesem Rennen! Auf den 70 Meter des Zieleinlaufs hab ich ihr noch 14 Sekunden abgenommen und wie sich später herausstellte damit in letzter Sekunde den dritten Rang in meiner Agegroup gesichert!

Mein Resümee… ein beeindruckendes, in jeder Hinsicht sehr schweres und ehrliches Rennen in Bezug auf Windschattenfahren, das gibt´s hier nicht, jeder muss zeigen was er kann! Sehr international und sehr stark besetzt sowohl bei den Profis als auch bei den Agegroupern. Unter anderem mit der Olympiasechsten Nicola Spirig aus der Schweiz, die dieses Rennen bei den Damen auch gewonnen hat. Die Tatsache, dass der amtierende Weltmeister von Hawaii Chris McCormarck „nur“ 6. wurde spricht für das starke Starterfeld! Den Sieg bei den Herren holte sich der Deutsche Andreas Raelert.
Herzliche Gratulation an alle Finisher!

Die Stimmung bei den Monegassen war wie ich es erwartet habe… zurückhaltend höflich!
Die Organisation war bis auf einige Kleinigkeiten in Ordnung und die Stimmung bei der Siegerehrung einfach fantastisch! Alles in allem ein tolles Rennen, das ich jedem nur empfehlen kann!

Gratulation natürlich auch an die Erst- und Zweitplatzierte meiner Agegroup:
1. Guinoiseau Linda (FRA)
2. Brown Trudy (IRL)
3. DoKo (AUT) (Die Qualifikation für die WM in Clearwater habe ich aufgrund meines Starts in Panama City am 1. November nicht angenommen)